Neuigkeiten

Präzision unter höchsten Sicherheitsanforderungen: Höcker Polytechnik modernisiert Filtertechnik der JVA Geldern

Tischlereien hinter Gefängnismauern sind weit mehr als Werkstätten. Sie sind Orte der Qualifikation, Struktur und Perspektive. In der Justizvollzugsanstalt Geldern gehören sie zum Alltag von Inhaftierten, die dort einen anerkannten Berufsabschluss erwerben oder sich auf den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt vorbereiten. Damit dies unter bestmöglichen Bedingungen erfolgen kann, ist eine moderne Infrastruktur unverzichtbar. Anfang 2025 wurde daher die komplette Filteranlage der holzverarbeitenden Werkstatt umfassend modernisiert – umgesetzt durch Höcker Polytechnik aus dem niedersächsischem Hilter a.T.W. bei Osnabrück.

Ursprungszustand: Die bewährte Höcker-Filteranlage mit Einblascontainer von 2004 – zuverlässig im Betrieb, aber technisch nicht mehr auf dem neuesten Stand.

Das Beste aus zwei Jahrzehnten: Von bewährter Technik zu neuen Standards

Die Entscheidung für das Projekt basierte auf einer starken Ausgangslage. Seit über 20 Jahren lief in der JVA eine Filteranlage von Höcker Polytechnik – robust, langlebig, funktional. Dennoch war klar: Technologisch war es an der Zeit für einen Generationswechsel. Der Wunsch nach mehr Energieeffizienz, einer prozesssicheren Brikettierung der Holzspäne sowie einer zukunftsfähigen Steuerung führte zur Beauftragung einer neuen Absauganlage.

Die alte Anlage hatte sich über Jahrzehnte bewährt. Dennoch war der Anspruch innerhalb der JVA, die technischen Arbeitsbedingungen weiter zu verbessern und an heutige Standards anzupassen. Mit der neuen Technik wurde gezielt in Arbeitsqualität, Sicherheit und Nachhaltigkeit investiert.

Die MultiStar-Filteranlage setzt neue Maßstäbe in Leistung, Effizienz und Nachhaltigkeit.

Enge Schleusen, große Technik: Demontage mit Fingerspitzengefühl

Der Abbau der alten Anlage war ein komplexes Unterfangen. Die baulichen Bedingungen innerhalb der JVA forderten das Projektteam aufs Äußerste. Autokrane mussten auf engstem Raum platziert, Transportwege durch Sicherheitsschleusen exakt abgestimmt werden. Jeder Handgriff war durchgeplant.

„Es war keine Standardbaustelle. Aber gerade das hat das Projekt so spannend gemacht“, erklärt Fabian Selbach, verantwortlicher Projektleiter bei Höcker Polytechnik. „Unsere Monteure haben gezeigt, was sie können – mit Disziplin, Köpfchen und einem starken Teamgeist.“

Ein besonderes Augenmerk lag auf der Koordination der Arbeitsabläufe im laufenden JVA-Betrieb. Die Einhaltung aller Sicherheitsauflagen war Voraussetzung für jede einzelne Maßnahme. Neben technischer Präzision war hier vor allem vertrauensvolle Zusammenarbeit gefragt sowohl intern als auch mit den Verantwortlichen der Anstalt.

Filterleistung neu definiert: 24.000 Kubikmeter pro Stunde und intelligente Steuerung

Mit der neuen MultiStar-Filteranlage wurde eine hochmoderne Unterdruckfilteranlage installiert. Zwei energieoptimierte Reinluftventilatoren mit je 18,5 kW Leistung, eine Filterfläche von 212 m² sowie eine automatische Brikettierung der Späne sorgen für Effizienz auf mehreren Ebenen. Statt großer Container, die bislang jährlich entleert wurden, setzen die Werkstätten nun auf verdichtete Briketts, die einfach und platzsparend entsorgt werden können.

Die neue Steuerung inklusive 12-Zoll-Touchpanel erlaubt die visuelle Überwachung der gesamten Anlage. Durchdachte Details wie elektro-pneumatische Absperrschieber, intelligente Frequenzregelung und ein automatischer Sommer-/Winterbetrieb unterstreichen den hohen technischen Anspruch.

Eine zusätzliche Besonderheit liegt in der Flexibilität des Systems: Die Absaugleistung lässt sich an wechselnde Maschinennutzung anpassen, sodass sowohl der Mindest- als auch der Maximalbedarf präzise geregelt werden kann. Gleichzeitig werden durch intelligente Luftführung Rückströmungen vermieden – ein wichtiger Aspekt im Kontext von Arbeitssicherheit und Luftqualität.

Integrierte Reinluftventilatoren der neuesten Generation sorgen für saubere Luft und leisen Betrieb.
Moderne Verrohrung für optimale Absaugleistung in allen Werkstattbereichen.
Blick in einen Teilbereich der holzverarbeitenden Fertigung in der JVA Geldern.

Effizienter Einsatz von Energie, Platz und Ressourcen

Die gesamte Lufttechnik ist auf Ressourcenschonung ausgelegt. Die Luftmenge wird bedarfsgerecht geregelt – genau so viel, wie für die jeweiligen Maschinen benötigt wird. Die Rückluft wird über ein spezielles Fischluftmodul wahlweise wieder in die Halle eingeleitet oder nach außen abgeführt.

Die neue Filtertechnik arbeitet dabei äußerst leise (ca. 67 dB), was nicht nur dem Gesundheitsschutz der Werkstattteilnehmer dient, sondern auch die Lern- und Arbeitsatmosphäre verbessert.

Darüber hinaus profitieren die Verantwortlichen in der JVA von deutlich geringeren Wartungs- und Betriebskosten. Die neue Technik ist nicht nur energieeffizienter, sondern auch robuster im Alltag – eine Investition, die sich langfristig sowohl ökologisch als auch ökonomisch auszahlt.

Autor: Heiner Kleine-Wechelmann

Zurück